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Essen & Trinken

07
Jul2014

In Kolumbien essen sie Ameisen – Hormigas Culonas

In Kolumbien essen sie Ameisen – Hormigas Culonas reise-nach-kolumbien.de; Hormigas Culonas: So sehen die Riesenameisen aus

Die Ameisen mit dem immensen Hintern – so lautet die die deutsche Übersetzung der Hormigas Culonas, die in Kolumbien gerne als Snack gegessen werden. Wir haben die Ameisen getestet.

Man könnte sagen, an diesem Snack ist so einiges dran. Hormigas Culonas gehören zu den Blattschneiderameisen und werden, biologisch gesehen, Atta laevigata genannt. Aufgrund ihres großen Hinterteils bekamen sie jedoch ihren klangvollen Beinamen. Doch nicht nur der Hintern ist groß bei den Hormigas Culonas. Sie gehören zu den größten Ameisenarten überhaupt und kommen in großen Teilen Südamerikas vor, von Kolumbien bis hinunter nach Paraguay.

Welche Ameisen man essen kann

Vor allem wegen ihres Erdnuss-großen Hinterteils gehört einiges an Überwindung dazu, diese riesigen Ameisen zu probieren. In Kolumbien allerdings werden sie seit Jahrhunderten gegessen. Schon präkolumbianische Völker nutzten die Insekten als wertvolle Proteinlieferanten. Zudem gelten sie in manchen Regionen als Aphrodisiakum und werden deshalb auch heute noch gerne als Beigabe zum Hochzeitsgeschenk gelegt.

Von den Hormigas Culonas werden im Übrigen nur die Ameisenköniginnen gesammelt, alle untergeordneten Exemplare der internen Ameisenhierarchie sind nicht essbar. Die Königinnen jedoch weisen neben dem hohen Proteingehalt auch geringe Mengen an ungesättigten Fettsäuren und einen hohen Nährwert insgesamt auf.

Neun Wochen – Saison für Hormigas Culonas

Eingesammelt werden die Hormigas Culonas  während nur neun Wochen im Jahr. Genauer gesagt im April und Mai, dann, wenn Regenzeit in Kolumbien ist und die Ameisenköniginnen ihre Nester für ihren Hochzeitsflug verlassen. Aufgrund ihrer starken Unterkiefer kann das Einfangen der Ameisen aber durchaus schmerzhaft sein. Nicht selten werden die Bauern von den bis zu zwei Zentimeter großen Tieren gebissen. Zur weiteren Verarbeitung werden die Flügel und die Beine der Ameisen entfernt. Anschließend gibt man die Ameisen zum Einweichen in ein Salzwasserbad und brät sie schließlich in Fett zum späteren Verzehr aus.

Zentrum der Ameisen-Industrie ist San Gil, in der Provinz Santander, nördlich der Hauptstadt Bogotá, gelegen. Von dort aus werden sie nach ganz Kolumbien verschickt. Aufgrund der Tatsache, dass die Ameisen nur kurze Zeit im Jahr gefangen werden können und inzwischen auch immer seltener werden, kostet ein Kilogramm der Hormigas Culonas umgerechnet über 20 Euro.

Wie Hormigas Culonas schmecken - Der Selbsttest

Ich gebe zu, dass es mich ein wenig Überwindung gekostet hat, mir eine der Riesenameisen einzuverleiben. Vor dem zweiten Spiel der kolumbianischen Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien war es dann aber soweit. Mein zweiter Versuch (beim ersten hatte ich vor einigen Monaten noch einen Rückzieher gemacht) war schließlich von Erfolg gekrönt, vermutlich wird die erste aber gleich auch meine letzte Ameise bleiben. Immerhin waren sie liebevoll als WM-Snack angerichtet, geschmacklich jedoch konnten mich weder Ameise generell noch ihr Hintern im Besonderen überzeugen. In einer Blindverkostung hätte man letztlich nicht bemerkt, dass man ein Insekt isst, schließlich haben die Hormaigas Culonas keinen prägenden Eigengeschmack. Sie sind knusprig und salzig. Das war es dann aber auch schon. Was sensorisch überwog war der Chitin-Panzer der Ameise, den man hinterher in kleinen Stückchen überall im Mund verteilt hat. Unterschlucken schwierig! Da lohnt sich ein Glas Wasser im Anschluss, um den Mund ordentlich durchzuspülen.

So bleibe ich lieber bei den herkömmlichen Snacks, hier, wie auch in Kolumbien. Auch weil die Zeiten wohl vorbei sind, in denen man glaubte, dass man die Hormigas Culonas essen müsse, weil sie sonst die Menschen fressen würden. Gerade so, wie in Gabriel García Márquez´ Roman „100 Jahre Einsamkeit“ der Fall.

Immerhin kann ich nun wenigstens behaupten, eine Ameise mit dickem Hintern verspeist zu haben!

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