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Chivas – Kunstwerke auf Rädern

Buses Escaleras (Leiterbus) oder eben Chivas – die bunten Busse haben eine lange Tradition in Kolumbien. Allerdings sterben auch sie langsam aus, werden in Städten häufig nur noch als Party-Mobile genutzt und auf ihren ursprünglichen Routen durch schnellere und effizientere Busse ersetzt.

Im Jahr 1908 war es wohl, als der erste Chiva gebaut wurde. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts dann, erreichten die bunten Busse ihre Blütezeit, waren Hauptverkehrs- und Transportmittel auf Lang- und Kurzstrecke. Vor allem in den ländlichen Andengebieten verkehren die farbenfrohen Busse aber nach wie vor. So wie in um die Kleinstadt Andes, etwa vier Autostunden südwestlich von Medellin gelegen, die als Zentrum der „Leiterbusse“ (Buses Escaleras) gilt, die ihren Namen wegen der Leiter auf ihrer Rückseite bekamen. Über diese Leiter werden seit jeher zahlreiche Waren auf die Busse verladen, die eigentlich umgebaute Lastwagen sind. Nach dem Umbau werde sie aufwendig und vor allem farbenfroh von Hand bemalt. Dass bei den Bildern auf den Bussen auch pakistanische Einflüsse zu erkennen sind, hängt im Übrigen damit zusammen, dass die Farbe, die ursprünglich nur zum Materialschutz aufgetragen wurde, früher aus Pakistan importiert wurde. So hielten Muster und Ornamente aus Asien Einzug die sich auf kolumbianischen Bussen mit indigenen Stilen vermischen.

 

Ihren Zweitnamen „Chivas“ verdanken sie ihren Hupen: Chivas bedeutet Ziege und genau wie das Meckern dieses Tieres hörten sich die Hupen des traditionsreichen Gefährtes früher an. Neben diesen Oberbegriffen bekommt jeder Chiva von seinem jeweiligen Fahrer zusätzlich einen liebevollen Spitznamen. Die Chivas prägten die noch heute in Kolumbien gängige Praxis, immer dort anzuhalten, wo Fahrgäste gerade einsteigen möchten. Feste Haltestellen Fehlanzeige. Die Fahrgäste laden ihr Gepäck dann auf das Dach, nehmen auf den Holzbänken im Inneren der Busse Platz und holpern dort ihrem Ziel entgegen.

Die Chivas als Symbol für Kolumbien

Die Chivas sind inzwischen nationales und internationales Symbol der kolumbianischen Kultur. Kein Souvenir-Stand in Kolumbien, an dem keine Ton- oder Keramik-Chivas in den Nationalfarben gelb, blau und rot  angeboten werden. Dennoch kämpfen auch die Chivas heute den Kampf gegen den allgegenwärtigen Forstschritt. Wendigere und schnellere Kleinbusse auf dem Land oder Transportwunder wie LKWs auf der Langstrecke machen den Chivas Konkurrenz. Alleine jedoch wegen ihrer langen Tradition werden die Chivas wohl ihren Weg finden, auch in Zukunft überleben zu können. Und sei es nur als Touristenattraktion, die in Großstädten zum Einsatz kommt – nicht nur in Medellin, wo alljährlich eine große Chiva-Parade stattfindet, bei der die schönsten und traditionsreichsten Busse gekürt werden. So fahren diese Busse – wenn auch nur als Party-Variante und mit einer Bar und viel Aguardiente ausgestattet – inzwischen sogar auf den Straßen New Yorks, wo heutzutage viele feierfreudige Kolumbianer leben (zum Artikel Little Colombia in New York). Momentan allerdings – und das macht Hoffnung – sind auch noch einige tausend Chivas ganz ursprünglich als Transportmittel in Kolumbiens Hinterland unterwegs.