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Cliff Diving mit Orlando Duque

Was im 18. Jahrhundert als Mutprobe auf Hawaii begann ist mittlerweile eine anerkannte Wettkampfdisziplin. Orlando Duque aus Kolumbien ist Rekordweltmeister in dieser spektakulären Sportart.

La Quebrada heißt der berühmte Felsen, auf dem in Acapulco alles begann. Zumindest das Klippenspringen der Neuzeit. 1934 kletterte dort der 13-jährige Enrique Apac Rios auf die Klippe und sprang aus gut 16 Metern ins Wasser. Beim heutigen Cliff Diving springt man aus rund 27 Metern – der Höhe eines achtstöckigen Hauses – ins Wasser. Wirft man eine Wassermelone aus dieser Höhe ins Wasser, zerbirst sie in sämtliche Bestandteile.

Könige und Herzöge – Cliff Diving damals und heute

Was die wenigsten wissen: Cliff Diving stammt nicht aus Acapulco. Erfunden wurde der Sport in Hawaii. Das Klippenspringen war dort Teil eines feierlichen Zeremoniells der Hawaiianer, das der Maui-König Kahekili ins Leben gerufen hatte. Er sprang um 1770 von einem 15 Meter hohen Felsen ins Meer und seine Krieger hatten es ihm gleich zu tun, um damit ihren Mut zu beweisen. Weltweit bekannt wurde aber erst die mexikanische Version. Behilflich dabei war ein anderer King: Elvis Presley sprang in seinem Film „Fun in Acapulco“ von der Quebrada, um Filmpartnerin Ursula Andress zu imponieren. Heute gibt es keinen König mehr, dafür aber einen „Herzog“. Durch seine Dominanz zu Beginn dieses Jahrhunderts – 13 Weltmeister-Titel hat Orlando Duque inzwischen zu verzeichnen – und in Anlehnung an seinen Nachnamen bekam er den Spitznamen „The Duke“ verpasst.

Populär wurde Cliff Diving Mitte der 80er Jahre. Damals begann jedoch eine wahre Rekordjagd nach der größten Absprunghöhe, die das Klippenspringen zwischenzeitlich in Verruf brachte. Der Weltrekord steht derzeit bei 58,9 Metern, was der Höhe des Schiefen Turms von Pisa entspricht. Regeln mussten her und so wurde 1997 die World High Diving Federation gegründet und erstmals Weltmeisterschaften ausgetragen. Deren Regularien sehen vor, dass bei Europameisterschaften aus Höhen zwischen 13 und 22 Metern gesprungen wird, bei Veranstaltungen wie Weltcups oder Weltmeisterschaften geht es sogar bis auf 27 Meter hinauf. Eine Jury die Sprünge je nach Schwierigkeitsgrad zwischen Null und zehn Punkten. Orlando Duque schaffte mit seinem perfekten Sprung bei der WM 2000 – er bekam von allen sieben Punktrichtern die Höchstnote 10 – den Eintrag im Guinness Buch der Rekorde.

Die Sprünge setzen sich, ähnlich dem normalen Wasserspringen, aus Schrauben und Salti zusammen und werden von sicheren, überhängenden Absprungplattformen gesprungen. Im Gegensatz zum olympischen Wasserspringen wird beim Cliff Diving überwiegend mit den Füßen voran ins Wasser eingetaucht. Anders wäre das Verletzungsrisiko zu groß, tauchen die Springer doch mit bis zu 90 km/h ins Wasser ein und werden dann in Sekundenbruchteilen auf null abgebremst.

Um noch ein wenig mehr Sicherheit für die wagemutigen Springer zu erzielen, sind während der Wettkämpfe ständig Rettungstaucher anwesend. Jahrelanges Training im Wasserspringen ist die Grundvoraussetzung, um diesen Sport einigermaßen kalkulierbar auszuführen.

Die Cliff Diving World Series

Dennoch springt die Angst laut Duque immer mit. Sie sei aber ein wichtiger Faktor, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen muss er mittlerweile immer öfter auch mitten in Europa treffen. Ein Getränkehersteller, der nach eigener Aussage gewissermaßen mit dem Fliegen verbunden ist, bringt die weltbesten Cliff-Diver seit 2009 an ausgefallenen Orten zur wichtigsten Wettkampfserie (Red Bull Cliff Diving World Series) zusammen. Ob im Hamburger Hafen, einer Höhle auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan oder inzwischen auch in Cartagena/Kolumbien, wo sich zum diesjährigen Start der Cliff Diving World Series sage und schreibe 30.000 Zuschauer eingefunden hatten, um ihrem Volksheld Orlando Duque zuzujubeln.
Dieser belegte dort den dritten Platz. Im Gesamtklassement konnte er sich im Verlauf der Saison 2015 sogar noch auf den zweiten Rang vorarbeiten. Seit der Einführung dieses Wettbewerbs stand er damit zum fünften Mal – bei sieben Möglichkeiten – auf dem Podium und errang dabei einen Gesamtsieg zum Auftakt 2009.