Comuna 13

Der Kick in der Comuna 13 – Medellíns gelungener Wandel

Die Comuna 13 war früher eine der gefährlichsten Gegenden Medellíns. Drogenhandel, Gewalt und Morde beherrschten die damalige Favela. Heute kickt man dort mit Kindern auf dem Bolzplatz und fährt mit der Rolltreppe dem Himmel entgegen.


Die Comuna 13 steht damals wie heute sinnbildlich für ganz Medellín. Herrschten dort noch vor gut 20 Jahren die Schergen des berüchtigten Medellín-Kartels und war die komplette Stadt angsterfüllt aufgrund all der Gewalt in den Favelas, die sich die Berghänge rund um das Stadtzentrum emporfressen, wird die Comuna 13 heute sogar von zahlreichen Touristen besucht. Einerseits sicher, weil manch einer hier auf Spurensuche nach dem früheren Medellín gehen will. Jene, die aus Sensationslust auch an das Grab des Drogenbarons Pablo Escobar oder in sein – so bizarr das auch klingen mag – selbst erbautes Gefängnis „La Catedral“ pilgern. Andererseits kommen die Touristen, weil eine urbane Kunstform hier oben weit verbreitet ist: Graffiti. Spezielle Touren werden angeboten, da in den engen Straßenschluchten und steilen Treppen zwischen den schiefen Häuschen vielfältige Street Art zu finden ist. Idole wie der ehemalige Nationaltorhüter René Huiguita sind hier genauso an die Wand gepinselt, wie die Träume von einem besseren, bunteren Leben.

Auch wenn Pablo Escobar für viele Bewohner dieser Armenviertel noch immer eine Art Volksheld ist, begann das bessere Leben hier jedoch erst mit seinem Tod. Zwar investierte er einen Teil seines schmutzigen Geldes, um Gutes in den Armenviertel zu tun, sein Tod im Jahr 1994 jedoch, als er von einer Spezialeinheit in seinem Versteck aufgespürt und beim Fluchtversuch erschossen wurde, markierte den Anfangspunkt für das Ende des Drogen-Kartells. Die Stadt sammelte sich, setzte auf Bildung, investierte in öffentliche Bibliotheken und versuchte, die vergessenen Stadtviertel am Berg und ihre Bewohner besser an das Zentrum anzubinden.

Die Rolltreppen durch die Comuna 13

Seilbahnen oder – wie Falle der Comuna 13 seit 2011 – mehrere Rolltreppen mit einer Gesamtlänge von fast 350 Metern führen seither von weit oben ins Zentrum hinunter und wieder zurück. Sie ermöglichten den Bewohnern die Teilnahme an einem öffentlicheren Leben in Medellín. Sei es, um sich eine Arbeit zu suchen, zur Schule zu gehen oder aber, um einfach nur bequem zum Einkaufen zu kommen. Die Stadtoberen setzten ihren Plan, selbst die ärmsten und höchstgelegenen Stadtviertel mit fließend Wasser und Strom zu versorgen, beharrlich um.
Mit Erfolg. All diese Maßnahmen brachten Medellín im Jahr 2012 nicht nur den Titel „Innovativste Stadt der Welt“ des Wall Street Journals ein, sondern – und das ist viel wichtiger – leben die Bewohner der 2,7 Millionen-Metropole seither ein friedlicheres und zufriedeneres Leben. Eines, das dem heutigen Touristenmagneten mit dem bedeutungsschwangeren Beinamen „Stadt des ewigen Frühlings“ gerechter wird, als das frühere in Angst und Schrecken.

So lebt man hier seither nicht nur meteorologisch gesehen in einem milderen Klima und es ergibt sich auch mal spontan ein freundschaftliches Fußballspiel mit den Jugendlichen der Gegend, die sich freuen, mit einem Gringo wie mir zu spielen. Dabei legen die flinken Kids ein Talent an den Tag und geben Tricks zum Besten, wie es echte Straßenfußballer nun einmal drauf haben. Nicht nur einmal tunnelt mich der Kleinste unter ihnen. Immerhin ist mir die Anerkennung der Jungs, aus dem Land des amtierenden Weltmeisters zu kommen, dennoch gewiss. Auch wenn ihre Helden natürlich Real Madrid-Star James Rodriguez und die Kicker des erfolgreichen, ortsansässigen Clubs Atletico Nacional sind und sie anschließend lieber auch noch nach etwas Materiellem aus Deutschland fragen, das ich ihnen als Andenken überlassen könnte.

Später, ein paar Rolltreppen weiter oben und auf der Suche nach Graffitimotiven, treffe ich aber dennoch ein Stück des alten Medellíns in den engen Wegen zwischen den unverputzten Häusern hier. Zwei ältere Jugendliche sitzen hier oben am Wegesrand und rauchen etwas, was leider nicht nur nach Gras aussieht. Hoffentlich, denke ich beim Blick auf das Häusermeer unter mir, suchen sich die Jungs unten weiterhin ihren Kick auf dem Bolzplatz.

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