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Das Lachen kolumbianischer Kinder

Zu Weihnachten haben wir kolumbianische Kinder mit kleinen Geschenken überrascht. Belohnt haben sie uns mit ihrem Lachen – für uns die beste „Investition“.

Jedes Jahr die gleiche Frage zu Weihnachten: Was schenke ich meinem Kind, Neffen oder Taufkind? In einigen Gegenden von Kolumbien stellen sich Menschen diese Frage nicht, weil ihnen die Mittel dazu fehlen. Bei unserem vorletzten Kolumbienbesuch hatten wir deshalb eine Idee. Statt zu spenden wollten wir lieber Kindern in einer ärmeren Gegend ein kleines Geschenk machen. Weihnachten bot sich an. Meine Frau Andrea, die ursprünglich aus Kolumbien kommt, und ihre Schwestern Carolina, Viviana und Zamira waren von da an auf der Jagd nach Dingen, die sie als Kinder selbst gern gehabt hätten. Konkret waren das v.a. Barbie-Puppen. Die erbeuteten sie auf deutschen Flohmärkten.

Kurz vor Weihnachten wollten wir die Geschenke bei unserem Kolumbienbesuch verteilen. Doch zuvor bekamen die Barbie-Puppen noch eine Behandlung im Beautysalon Santana. Am Ende sahen sie aus wie neu. Neben den Mädchen sollten die Jungs nicht leer ausgehen. Andreas Ma hatte deshalb die rettende Idee. In Quirigua, einem Viertel in Bogotá, in dem sie wohnt, besorgten wir kleine Geschenke. So war für jeden was dabei.

Wir hätten die Päckchen am liebsten in einer richtig armen Gegend im Süden von Bogotá verteilt und hatten auch schon eine im Kopf. Meiner Schwiegermutter war das dann aber zu unsicher. Deshalb fiel unsere Wahl auf ein Viertel in der Nähe ihrer Wohnung. Ein Freund von Viviana hatte die Idee, alle Geschenke an die Kinder in seiner Nachbarschaft zu verteilen, einer Gegend in den Estratos 1 – 2. Dazu muss man wissen, dass in Kolumbien die Viertel in Estratos, also Schichten, von 1 – 6 eingeteilt sind. Über den Sinn lässt sich streiten. Konkret bedeutet das, dass die Estratos 1 und 2 die soziale Unterschicht darstellen.

Die Mutter von Vivianas Freund hatte spontan Eltern und ihre Kinder aus der Nachbarschaft zu sich nach Hause eingeladen. Als wir dorthin kamen, waren auch tatsächlich alle gekommen. Die Geschenke waren schnell verteilt. Obwohl die meisten Kinder brav und schüchtern auf ihre Überraschung warteten, konnte es manchen nicht schnell genug gehen. In jedes Päckchen hatten wir auch noch eine kleine Süßigkeit gesteckt. Wie’s nunmal so ist: Schoko macht loco (verrückt). Viele der Kleinen stürzten sich anfangs eher auf das Süße als auf die Geschenke. Im Nu war alles verputzt. Unvergesslich die vollen Backen eines Jungen: Aus Furcht zu Hause etwas abgeben zu müssen, hatte er sich alle Süßigkeiten in den Mund gestopft.

Ein kleines Mädel freute sich über ein Extra-Kleid für ihre Puppe. Auf die Frage, wo sie das Kleid denn zu Hause aufbewahren solle, sagte ihr Zamira: im Schrank. Darauf das Mädchen: „So was hab ich nicht, kann ich es auch in die Kiste für meine Kleidung stecken?“ Spätestens da war uns klar, dass wir die Geschenke den richtigen Kindern gegeben hatten. Die unbeholfene Frage zusammen mit dem schüchternen, unschuldigen Lachen war für uns das beste Weihnachtsgeschenk.

Habt ihr selbst ein paar kleine tolle Sachen für Kinder, egal ob für Jungs oder Mädels, zu Hause? Dann gebt mir einfach vorher Bescheid. Die Kinder in Kolumbien freuen sich. Wir sammeln sie und geben sie weiter oder verteilen sie selber vor Ort. Bis Weihnachten ist ja noch etwas Zeit:)