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Der Plaza Bolívar in Bogotá

Tauben, Lamas, Luftballons. So sieht es heute auf dem bekanntesten und geschichtsträchtigsten Platz Bogotás aus, dem Plaza Bolívar. Dabei ging es hier einst hoch her.

Oben, „im Norden“, sehen wir den Justizpalast. Im Süden (unten) das Kapitol, im Osten (rechts) die klassizistische Kathedrale und im Westen (links) das Rathaus von Bogotá

So sieht der Plaza Bolívar aus

Viele große Plätze in den Metropolen dieser Welt haben ihre ganz eigene Geschichte. Manche sind blutig, andere wurden Zeuge friedlicher Demonstrationen oder gar Revolutionen. Der Plaza Bolívar im Zentrum Bogotas (im Stadtteil La Candelaria) gehört leider zu den Plätzen der ersten Kategorie, auch wenn man ihm das heutzutage nicht mehr ansieht. Inzwischen gehört der Platz den Touristen – und den Tauben. Diese werden hier mit Unmengen von Mais gefüttert, den die vielen Straßenhändler feilbieten. Kinder können eine Runde auf dem Lama drehen und nicht selten bekommen sie gleich noch einen Luftballon von ihren Eltern dazu gekauft.

Grito de independcia und Toma del Palacio

Früher war das anders. Mit dem “Grito de independcia” (Schrei nach Unabhängigkeit), am 20. Juli 1810 im Casa del Florero, kann man hier den Beginn der kolumbianischen Unabhängigkeitsbewegung festmachen. Ein Datum, das die Geschichte Kolumbiens veränderte. Ein Konflikt zwischen einem spanischem Blumenhändler und einem „Criollo“ (ein bereits auf südamerikanischem Boden geborener Spanier) auf dem Wochenmarkt mündete damals in einem handfesten Streit und gipfelte knapp 10 Jahre später – dank Simon Bolívar, dem Namensgeber des Platzes – in Kolumbiens Unabhängigkeit. Diese, zugegebenermaßen stark vereinfachte, Zusammenfassung bedeutender südamerikanischer Geschichte kann man sich ausführlich im Casa del Florero zu Gemüte führen. Bis heute ist in diesem Eckhaus des Plaza Bolívars ein Museum untergebracht: Das Museo de La Independencia Casa del Florero.

Der riesige Plaza Bolívar wird heute von vier großen Gebäudekomplexen beherrscht. Als erstes fällt dem Reisenden natürlich die Kathedrale auf, die im Jahr 1823 fertiggestellt wurde. Sie überragt alle anderen Gebäude des Platzes und damit auch das Capitolio Nacional in dessen Eingangsbereich eine riesige Säulenfront die Besucher erwartet. Das Kapitol ist der Sitz der Legislative, also des kolumbianischen Kongresses.

 

Das neueste Gebäude des Plaza Bolívar, der Justizpalast im Norden, wurde nach seiner Besetzung 1985 durch Guerilleros, einer großen Geiselnahme und seiner anschließenden Zerstörung in den Folgejahren wieder neu aufgebaut. Beim sogenannten „Toma del Palacio“ wurden damals am 6. November 1985 alle Personen die zu dieser Zeit im Justizpalast weilten als Geiseln genommen. Politiker, Sicherheitspersonal, Putzfrauen und Anwälte. Bei den 27-stündigen Kämpfen kam es zu mindestens 98 Todesopfern. Unter den Geiseln sowie auf Seiten der Guerilleros, der kolumbianischen Polizei und der Armee.

Bolívar Statue im Zentrum

Im Osten des Plaza Bolívar steht das Rathaus Bogotás, die Alcaldia de Bogotá. Das ebenfalls im klassizistischen Stile erbaute Gebäude zeigt allerdings deutliche französische Architektur-Einflüsse. In der Mitte des Platzes thront schließlich sein Namensgeber. Der südamerikanische Befreiungskämpfer und spätere Präsident Kolumbiens, Simon Bolívar. Nicht nur hier sondern in der gesamten Altstadt Bogotás dreht sich fast alles um ihn. Am Fuße des Monserrate, des Hausbergs Bogotás den man im Übrigen vom Plaza Bolívar aus betrachten kann, liegt sein früheres Wohnhaus, die Quinta Bolívar (für kleines Eintrittsgeld zu besichtigen).

Der Plaza Bolívar heute

Noch immer ist der Plaza Bolívar heute Schauplatz von Demonstrationen und Kundgebungen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten laufen diese aber weitestgehend friedlich ab. Darüber hinaus finden auf dem Platz aber auch Konzerte und weitere kulturelle Veranstaltungen statt. Auch beim alljährlichen Festival de Teatro kommt ihm eine Sonderrolle zu. Sowohl die offizielle Eröffnung als auch die Abschluss-Veranstaltung des Theaterfestivals  finden dort statt.

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