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Eintracht Frankfurt in Kolumbien – Abenteuer Fußball

Eintracht Frankfurt gegen Kolumbien. Oder besser Kolumbien gegen die Eintracht, schließlich fand das Spiel gegen die Nationalmannschaft Kolumbiens im Mai 1994 in Medellín statt. Das Drumherum war lebensgefährlich – für die Eintracht sicherlich das größte Abenteuer, das der Verein in seiner bewegten Geschichte erlebt hat.

Dass eine Vereinsmannschaft gegen eine Nationalmannschaft antritt, passiert beim Fußball eher selten. 1994, vor der Weltmeisterschaft in den USA, bekam Eintracht Frankfurt gegen Kolumbien die Möglichkeit dazu. Die als Geheimfavoriten für die WM gehandelten Kolumbianer um Fußballer-Legende Carlos Valderrama wollten ihre WM-Form eigentlich gegen Borussia Dortmund testen, allerdings hatte die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet kurzfristig abgesagt. Eintracht Frankfurt sprang für das Spiel an Pfingsten ein, jedoch wohl ohne genau zu wissen, worauf man sich da eingelassen hatte: Das Kolumbien von damals sah noch anders aus, als das heutige. Medellín war eine äußerst gefährliche Stadt, gewissermaßen die Hauptstadt des damals noch florierenden kolumbianischen Drogenhandels, bekannt für sein Medellín-Kartell. Heute hat sich das geändert, die Mordrate sank dort inzwischen von 6.500 Fällen pro Jahr (1991) auf 778 (2005) – auch wenn man zugeben muss, dass sie in den letzten Jahren wieder leicht anstieg. Dennoch wurde Medellín im Jahr 2012 vom Wall Street Journal zur innovativsten Stadt der Welt gekürt. Durch den Bau zahlreicher Bibliotheken und weiterer Bildungseinrichtungen sowie die infrastrukturelle Anbindung von Favelas an das Stadtzentrum befindet sich Medellín heute auf einem guten Kurs.

Escobar und die Eintracht – Der Hintergrund

Was damals aber erschwerend für Eintracht Frankfurt dazu kam: Einige Monate vor dem Spiel, genauer gesagt im November 1993, wurde der Ehefrau und den Kindern des berüchtigten Drogenbarons Escobar die Einreise nach Deutschland am Frankfurter Flughafen verweigert. Escobar selbst war zu diesem Zeitpunkt in Kolumbien untergetaucht. Deshalb hatten die kolumbianischen Behörden Deutschland gebeten, Familie Escobar keinen Unterschlupf zu geben. In Teilen der kolumbianischen Bevölkerung war Escobar zu jener Zeit sehr beliebt. Aufgrund der Unterstützung, die er vor allem den ärmeren Bewohnern Medellíns damals zukommen ließ, solidarisierten sich viele mit ihm. Für Eintracht Frankfurt bedeutete das ausgesprochene Einreiseverbot für Escobars Familie, dass es in Kolumbien ungemütlich werden sollte. Schon vor dem Spiel gingen Morddrohungen bei der Eintracht ein. 

Eintracht in Kolumbien

Während des Aufenthaltes in Medellín durfte folglich keiner der Frankfurter Spieler das Hotel verlassen. Die Mannschaft von Eintracht Frankfurt musste sogar unter Polizei- und Militärschutz ins Stadion von Medellín gefahren werden. Nach dem Spiel explodierte gar eine Bombe, als sich der Frankfurter Mannschaftsbus auf dem Weg zurück ins Mannschaftshotel befand. Ein Polizeiauto hinter dem Mannschaftsbus wurde getroffen, mehrere Menschen wurden dabei getötet (über die genaue Anzahl gehen die Meinungen auseinander, manche Quellen behaupten vier, andere fünf). Auf die vereinbarten 100.000 US-Dollar Gage für das Spiel hätte man von Eintracht-Seite im Nachhinein sicher – wie auf das Spiel selbst – verzichten können, wenn man die Begleitumstände vorausgesehen hätte. Kurioserweise wurde die Gage auch erst kurz vor Spielbeginn in unsortierten Scheinen und in zwei Plastiktüten an die Verantwortlichen der Eintracht übergeben. Beim Nachzählen stellte sich zudem heraus, dass 5000 Dollar fehlten, wie das damalige Verwaltungsrat-Mitglied Gerrit Niehaus im Jahr 2009 in der 11 Freunde verriet.

Uwe Beins Abschied von der Eintracht

Im Stadion von Medellín warteten 21.000 Zuschauer, die der Eintracht alles andere als wohlgesonnen waren. Eintrachts Mittelfeldstratege Uwe Bein musste nach seiner frühen verletzungsbedingten Auswechslung von Soldaten mit Schutzschildern in den Kabinengang geleitet werden. Dort wimmelte es nur so vor weiteren Soldaten. Nach fünf Spielminuten lag die Eintracht bereits mit 0:2 gegen die Nationalmannschaft Kolumbiens zurück. Gespielt wurde damals in einer Höhe von gut 1.500 Metern, was erschwerend für die Eintracht dazu kam. Letztlich ging das Spiel gegen Kolumbien 0:4 verloren – es war gleichzeitig das Abschiedsspiel von Uwe Bein für die Frankfurter Eintracht, der kurz darauf nach Japan zu den Urawa Red Diamonds wechselte.

Per Hubschrauber aus dem Mannschaftshotel

Auch der Rücktransport zum Flughafen gestaltete sich abenteuerlich. Die Anreise zum Flughafen Medellín erfolgte in kleinen Gruppen per Militär-Hubschrauber  – vom Dach des Hotels aus. Sicher ist sicher, die vorgesehene Busfahrt war zu gefährlich. Wobei „sicher“ sicherlich auch anderes definiert werden kann: Nacheinander mussten die Eintracht-Spieler an der ungeschützten Dachkante des Hotels in den an der Seite geöffneten Helikopter steigen.

Warum die Situation in Medellín so eskaliert war

Als Eintracht Frankfurt wieder zurück in Deutschland war, klärte sich endgültig auf, warum die Situation in Medellín so extrem eskaliert war. Medellíns Drogenboss Pablo Escobar war bereits im Dezember, kurz nach der Zurückweisung seiner Frau am Frankfurter Flughafen von einer amerikanisch-kolumbianischen Eliteeinheit erschossen worden. Geortet wurde er durch ein abgehörtes Telefongespräch mit seiner Ehefrau, seinem Sohn und seiner Tochter. Diese befanden sich zu diesem Zeitpunkt aber längst wieder in einem Luxushotel in Kolumbien, nicht wie damals kolportiert in Frankfurt. Vor allem die Tochter wollte bei diesem Telefonat wohl länger mit ihrem Vater sprechen. Ein wenig zu lange, weshalb der Anruf zurückverfolgt und Escobar geortet werden konnte. Für diesen eher zufälligen und falsch übermittelten Zusammenhang mit der Stadt Frankfurt wollten sich Escobars Gefolgsleute offenbar an Eintracht Frankfurt rächen. Fast wäre es ihnen gelungen, letztendlich kehrten aber alle Frankfurter unversehrt an den Main zurück.