© www.tresdecorazon.com.co; die Aufnahme entstand bei den Dreharbeiten zum WM-Song Dame una Alegria von Tr3s de CoraZon

Kolumbiens Fußball-Legenden – René Higuita

In 68 Länderspielen schoss er drei Tore. Keine außergewöhnliche Quote, ginge es nicht um einen Torhüter. Die Rede ist von René Higuita – einer der schillerndsten Persönlichkeiten, die der Fußball weltweit je hervorgebracht hat. Der kolumbianische Fußball ohnehin.

Spätestens sein legendärer „Skorpion-Kick“ hat ihn 1995 weltberühmt gemacht. Doch dazu später mehr, denn José René Higuita Zapata war schon vorher auf der Bühne des Weltfußballs in Erscheinung getreten. 1990 bei der WM in Italien spielte er mit Kolumbien eine gute Gruppenphase. Er fiel schon wegen seiner wilden Lockenmähne auf und führte die kolumbianische Nationalmannschaft gemeinsam mit Carlos Valderrama aber auch ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft. Dort allerdings wurde ihm einer seiner spektakulären Ausflüge aus dem eigenen Strafraum zum Verhängnis.

Huguita dribbelte gerne und war oft in der Nähe der Mittellinie unterwegs. So auch in diesem Achtelfinale gegen Kamerun, in dem er in der Verlängerung den Ball an Stürmer Roger Milla verlor, der nur noch ins leere Tor einschieben musste. Diesen vorentscheidenden Treffer zum 2:0 bejubelte der Kameruner wie gewohnt mit einem Lambada-Tänzchen an der Eckfahne. Kolumbien hingegen gelang nur noch der Anschlusstreffer und schied aus. Higuita war der tragische Held einer hoffnungsvoll gestarteten kolumbianischen Nationalmannschaft.

René Higuita – Elferkiller und Elferschütze

Seine Karriere hatte Higuita bei CD Los Millonarios in der ersten kolumbianischen Liga begonnen. Nach nur einer Saison wechselte er zu Atlético Nacional in Medellin, wo er, bis auf ein kurzes Gastspiel bei Real Valladolid in Spanien, bis 1997 spielte und unter anderem die Copa Libertadores gewinnen konnte (1989). René Higuita war der Held dieses Finales – ein Jahr, bevor er zum tragischen Held in Italien werden sollte. Er hielt im entscheidenden Elfmeterschießen vier Elfmeter und verwandelte einen selbst.

Nach vielen weiteren Stationen in Kolumbien und im internationalen Fußball, unter anderem in Mexico, Ecuador und Venezuela, beendete René Higuita erst im Jahr 2010 im Alter von 43 Jahren seine Karriere offiziell. Allerdings wurden seine späten Jahre auch von Skandalen überschattet. So entdeckte man in Dopingproben mehrfach Kokainrückstände in seinem Blut (2002 und 2004).

René Higuitas Skorpion Kick

Insgesamt schoss Higuita 55 Tore in seiner Profikarriere, meist vom Elfmeterpunkt, gerne aber auch per Freistoß. Higuitas verrückteste und wohl gleichzeitig auch genialste Aktion auf dem Feld war aber sein legendärer Skorpion-Kick. 1995 ließ er sich bei einem Freundschaftsspiel gegen England im Londoner Wembley-Stadion bei einem Schuss auf sein Tor einfach nach vorne fallen. Anstatt den Ball mit den Händen zu fangen, schlug er den Ball mit beiden Hacken im Vorwärtsfallen aus der Gefahrenzone. Nicht umsonst bekam René Higuita den Spitznamen „El Loco“ (der Verrückte) verpasst. Während seiner gesamten Karriere arbeitete er hart daran, diesen immer wieder zu bestätigen.

So war Higuita an der Geldübergabe für die entführte Tochter eines Freundes beteiligt und musste deshalb sogar eine Haftstrafe in Bogotá absitzen. Nach einem Hungerstreik Higuitas und Demonstrationen zahlreicher Fans war er wieder freigekommen. Zudem brachte ihm sein Kokain-Konsum lange Sperren vom Verband ein. Doch auch mit seinen Teilnahmen an diversen Fernsehshows sorgte Higuita für Schlagzeilen. So war er im Jahr 2005 Teilnehmer einer Art kolumbianischem Dschungelcamps, wurde dabei zweiter. Den Vogel schoss er jedoch mit seiner Teilnahme an Cambio Extremo (extremerWandel) ab. In dieser Sendung ließ er mehrere Schönheitsoperationen über sich ergehen und diese auch mit der Kamera dokumentieren. Seither hat er neue Lippen, ein größeres Kinn und auch die Zähne ließ er sich richten.

Im Bild: René Higuita und der Schlagzeuger der Band Tr3s de CoraZon, Andres Felipe Muñoz. Das BIld entstand beim Video-Dreh zu „Dame una Alegria“

René Higuita – Damals und heute

Aufgewachsen war René Higuita nach dem frühen Tod seiner Mutter in einem Armenviertel Medellíns. Das Fußballspielen begann er als Stürmer und war schon zu Zeiten seiner Schulmannschaft ein Torjäger. Als jedoch eines Tages der Torwart in der Mannschaft ausfiel, landete er zwischen den Pfosten. Er blieb dort, konnte seinen Sturmdrang jedoch niemals ganz ablegen. Trotz all seiner Eskapaden genießt René Higuita in Kolumbien nach wie vor einen hohen Stellenwert. Seine Verrücktheit – auf die Idee mit dem Skorpion-Kick muss man ja überhaupt erst einmal kommen – die Skandale und seine Tritte in zahlreiche Fettnäpfchen scheinen ihn menschlich für die Kolumbianer zu machen.

Und eine Geschichte haben wir dann auch noch: So besuchte René Higuita vor einem Spiel gegen die Millonarios – gegen die sein damaliges Team Atlético Nacional lange nicht mehr gewonnen hatte – eine Wahrsagerin. Diese erkannte, „dass ein Fluch auf den Atlético Spielern lag“ und empfahl ihnen, blaue Unterwäsche zu tragen. Was soll man sagen, es hat geholfen, Atlético gewann gegen die Millonarios aus Bogotá und später, wie erwähnt, die Copa Libertadores.


Higuitas Skorpion

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