reise-nach-kolumbien.de

Kolumbiens Künstler – Fernando Botero

Fernando Botero ist der wohl berühmteste Maler und Bildhauer Kolumbiens, sein Werk ist in der ganzen Welt bekannt. Seine Vorbilder, sein Stil, sein Einfluss.

Botero wurde 1932 in bescheidenen Verhältnissen in Medellin geboren. Mit zwölf Jahren besuchte Botero auf Wunsch seines Onkels eine Stierkampfschule. Aus dieser Zeit stammt auch sein erstes Werk – ein Fingerzeig, in welche Richtung es gehen würde. Lieber zeichnete er die Stiere, als mit ihnen zu kämpfen. Bald schon verließ er die Stierkampfschule wieder, um sich ganz der Kunst zu widmen und verdiente sein Geld mit Illustrationen für Zeitungen. Es dauerte nur bis 1948, bis er im Alter von 16 Jahren seine erste Ausstellung in Medellin eröffnete.

Nach seinem Abitur 1950 zog er in die Hauptstadt Bogotá, wo er mit einigen der wichtigsten Intellektuellen der Epoche Kontakt hatte. Seine Inspiration bezog er zu dieser Zeit aus dem alltäglichen Leben und menschlichen Schicksalen.

Boteros Vorbilder

Fernando Botero wurde selbst zu einem wichtigen Symbol der lateinamerikanischen Kunst in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Seine Identität als Künstler hatte er jedoch in Europa gefunden. 1952 war er dorthin emigriert. In Spanien, genauer gesagt in Madrid, studierte er Kunst und begann, klassische Werke von Goya und Velázquez zu kopieren. Ebenso besuchte er Italien und lernte in Florenz  bestimmte Techniken sowie Volumen, Formen und Farben kennen. Ausgestattet mit diesen neuen Ideen entwickelte er seinen eigenen Stil.

In der Renaissance fand Botero sein „Objekt“ als Künstler. Er entwickelte eine spezielle Faszination für die Meister des Quattrocento. Künstler wie Masaccio, Jan van Eyck, Andrea Mantegna, Piero della Francesca, Dürer und Leonardo da Vinci beeindruckten ihn besonders.

Anfang der sechziger Jahre begann Botero, inzwischen in New York angekommen, mit plastischen Arbeiten zu experimentieren und er beschäftigte sich ab Mitte der 70er Jahre, nach einer weiteren Station in Paris, immer mehr mit der Bildhauerei. Mit seinen Skulpturen ging Botero ab 1983 mit einer Ausstellungsreihe um die Welt. Viele davon schmückten – oder schmücken bis heute – bedeutende Straßen und Plätze großer Städte: Unter anderem den „Champs-Élysées“ in Paris oder die „Fifth Avenue“ in New York.

Boteros Stil – Der Boterismo

Boteros Stil ist das Ergebnis seiner Studien, seiner  Praxis, seiner  Bewunderung der alten Meister und seiner kreativen Ideen. All das kombiniert er und bringt es in seinen Bildern zum Ausdruck. Boteros Absicht ist, die reale materielle Welt darzustellen, weswegen er nach Vargas Llosa der Begründer der modernen Sensibilität ist. Sein Stil, der moderne Neo-Renaissance-Stil oder auch „Boterismo“, gibt Botero seine unverwechselbare Identität.

Er interpretiert seinen Stil in verschiedenen universellen Themen wie  Frau und Mann, Gefühle, Leidenschaften, Schmerzen, Glaube, Gewohnheit, das tägliche Leben, Beziehungen, Mythen, Legenden, historische, soziale und politische Schicksale, Tiere, Landschaften und Natur. Das wichtigste Merkmal seines Werkes ist das übertriebene Volumen, das ein dreidimensionales Zeichen setzt und ebenso Kraft und Sinnlichkeit ausstrahlt. Sein Werk hat auch eine besondere anatomische Konzeption und Ästhetik.

Grotesk-Naive Figuren

Die männlichen Figuren Boteros haben ein kleines Gesicht und zumeist recht stämmige Beine. Tiere haben einen kleinen Kopf, aber lange Beine. Er wählt diese üppigen Formen als Symbol für die aufgeblähte „Kolonialbourgeoisie“, die er als degeneriert empfindet.

Wie Botero malt

Botero malt seine Bilder übrigens nicht auf der Staffelei sondern an der Wand. Er befestigt seine Leinwände, ohne die Umrisse des genauen Bildformats vorab zu definieren, direkt an der Wand. In diesem Sinn arbeitet Botero unter den Konditionen der Freskomalerei wie in der italienischen Renaissance. Die Farben, die Botero benutzt, sind eine Mischung aus lebendigen, starken Farben und aus matten Farben.

Einige seiner berühmtesten Werke sind „Massaker der Unschuldigen“ (1967), „Der Stierkampf“ (1987), „Frau im Bett sitzend“ (1996), Das Pferd (1999) und „Die Hand“ (1975).

Das Museo Botero in Bogotá beherbergt eine große Auswahl an Werken des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero, der sich selbst einmal als den „kolumbianischsten aller kolumbianischen Künstler“ bezeichnete. Bis heute lebt und arbeitet er in Paris und New York.