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Mil Santos – „Verirrt euch in Kolumbien!“

Der kolumbianische Sänger Mil Santos lebt in Berlin-Kreuzberg. Im exklusiven Interview verrät er uns, was er an Kolumbien vermisst, was er hier in Deutschland gelernt hat und warum er den Salsa so liebt.

mil santosMil, Du lebst seit einiger Zeit in Berlin, kommst aber ursprünglich aus Kolumbien. Von wo dort genau?
Mil Santos: Ich komme ursprünglich aus Cali, von wo aus die Welt mit Zuckerrohr versorgt wird. Ich bin im Stadtviertel La Selva (der Urwald, Anm. D. Red.) geboren und ich erinnere mich noch gut daran, als ich noch klein war und den Busfahrer nach dem Einsteigen gefragt habe, ob er in den Dschungel fährt. Die anderen Passagiere haben sich kaputt gelacht.

Wann und warum bist Du denn nach Deutschland gekommen?
Mil Santos: Ich bin nach Deutschland gekommen, um Philosophie zu studieren und habe das Studium in Mainz dann auch beendet. Neben dem Studium hatte ich aber auch im Sinn, neue Wege zu gehen und über Grenzen hinauszublicken. Die Welt hat so viel zu bietenund so bin ich schließlich in Berlin gelandet. Nach 15 Jahren hier in Deutschland kommt sie mir jeden Tag größer vor. Auch, wenn alle sagen, wie sehr die Welt zusammenwächst und durch das Internet und den Fortschritt immer kleiner wird .

15 Jahre ist eine lange Zeit. Was vermisst Du am meisten an Deinem Heimatland Kolumbien?
Mil Santos: Ich vermisse die Nachmittage am Fenster meiner Wohnung mit dem Blick auf die Bergkette Los Farallones. Je nach Tageszeit leuchten sie immer in einer anderen Farbe. Die Märsche durch den warmen Wind zum Haus meiner Tante. Und ich vermisse meine Eltern und die Umarmungen der netten Menschen, die man in Kolumbien kennenlernt.

Wo liegen Deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Kolumbien?
Mil Santos: Ich denke, die beiden Kulturen können grundsätzlich viel voneinander lernen. So liebe ich die lateinamerikanische Spontanität – ohne sie wäre die Welt ein einsamerer Ort. Andererseits ertappe ich mich in Kolumbien oft dabei, „ja“ zu sagen, obwohl ich eigentlich „nein“ meine: “Klar, wir sehen uns morgen!” und am Ende kommt gar kein Treffen zu Stande. Ich habe hier in Deutschland wirklich gelernt, “nein” zu sagen, ohne das Gefühl zu haben, jemanden damit zu verletzen. Heute kann ich also besser differenzieren, wann ich jemandem etwas zu- oder absage, ohne mich danach schlecht zu fühlen.

Was sind Deine persönlichen Reisetipps für Kolumbien an unsere Leser?
Mil Santos: Wenn ihr nach Kolumbien reist, versucht, euch zu verirren. Das ist der beste Weg, um dieses einzigartige Land richtig kennenzulernen. Das ist meine Empfehlung, denn man kann in Kolumbien an jeder Ecke Freude finden.

Welches Essen sollten unsere Leser in Kolumbien unbedingt mal probieren?
Mil Santos: Auch wenn ich auf meine alten Tage jetzt Vegetarier bin, verspüre ich noch immer Lust auf eine gute Sancocho. Und zwar auf jene, die mit gelben Kartoffeln und Yuca und eigentlich allem, was man im Kühlschrank findet, gemacht wird. Aber lassen wir das lieber, sonst kann ich nicht mehr aufhören über die kolumbianische Küche zu sprechen.

Kommen wir zu Deiner Musik. Wie würdest Du Deine Musik beschreiben, was sind die Themen, um die sich Deine Texte drehen?
Mil Santos: Es ist schwierig, ein bestimmtes Gefühl zu beschreiben und so geht es mir auch mit meinen Liedern. Genau wie es schwierig ist, jemand anderem eine Farbe zu beschreiben. Jede Definition davon kann nur banal sein. Man kann aber sagen, dass meine Musik für alle Menschen gemacht ist, nicht nur für Musiker oder Musikliebhaber. Auf diesen Grundsatz konzentriere ich mich sehr in den letzten Monaten. Die erste Inspiration ist aber immer Salsa. In all meinen Liedern spiegelt sich der Ort wieder, aus dem ich komme und die Salsa-Bar in der ich als Schüler mehrere Jahre gekellnert habe: Zaperoco, im Norden von Cali. Hier hat das Lebensgefühl Salsa wahrlich Spuren auf meiner Seele hinterlassen.

In meinem Liedern geht es zumeist um die Existenz an sich. Aber es gibt keine Antworten, sondern es geht vielmehr um die Fragen, die wir uns vor allem dann stellen, wenn wir alleine oder sogar einsam sind. In meinem aktuellen Lied “Mi último día en el mundo” geht es genau darum und das soll schon der Titel zum Ausdruck bringen.

Im Moment bist Du wieder fleißig am Songs schreiben. Wann kommt Dein drittes Album raus?
Mil Santos: Das Album ist für den kommenden März geplant, komme was wolle. Ich bin jetzt bei einer namhaften deutschen Plattenfirma, die an mich und an das glaubt, was ich bisher herausgebracht habe. Für mich ist das die beste Nachricht, dass es jemanden gibt auf der Welt, der an Dich glaubt.

Hier lest ihr das Interview auf Spanisch/Aquí pueden leer la entrevista en español

Mehr Infos zu Mil Santos auf seiner Homepage

Einige der Lieder von Mil Santos gibt es auf seinem youtube-Kanal

 

 

 

Foto: hernadotascon.com