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Piñata – Kindergeburtstag auf kolumbianisch

Die Piñata gehört zu einem kolumbianischen Kindergeburtstag wie der Weihnachtsbaum zum Heiligabend. Die Kinder lieben die mit Süßigkeiten gefüllten Figuren.

Da der Geburtstag unseres Sohnes unaufhaltsam näher rückt, kommen wir nicht mehr umhin, uns über die diesjährige Piñata Gedanken zu machen. Welche Figur soll es werden, selbstgebastelt (wie in den vergangenen Jahren) oder gekauft? Kennt ihr diesen südamerikanischen Brauch?

Was ist eine Piñata

Um eine Piñata anschaulich zu erklären, genügt ein beliebtes Kinderspiel aus unserem Kulturkreis als Beispiel. Das berühmte Topfschlagen. Das hat jeder von uns in seiner Jugend gespielt – und eigentlich würde ich es auch heutzutage gerne mal wieder machen. Dabei muss man mit verbundenen Augen und einem Kochlöffel bewaffnet einen im Raum stehenden Topf suchen, nachdem man zunächst ein paarmal im Kreis gedreht wurde. Findet man den Topf, bekommt man die darunter versteckte Süßigkeit oder kleine Spielsachen. 

Ganz ähnlich läuft das bei einer Piñata ab. Der einzige Unterschied: Sie hängt an einem Seil in der Luft und die Kinder versuchen, die Piñata mit einem Stock zu zerschlagen, um an die Süßigkeiten zu kommen. Dabei kann man die Piñata auch so anbringen, dass man sie heraufziehen und herunterlassen und die Kinder absichtlich mal ins Leere schlagen lassen kann.

Traditionell darf jedes Kind dann solange versuchen, die Piñata zu zerschlagen, bis eine Strophe des Piñata-Liedes (Text unten, in Deutschland kann man sich natürlich auch ein anderes Lied ausdenken) zu Ende ist. Danach wird mit beim nächsten Kind wieder von vorne angefangen zu singen. Sobald es ein Kind schafft, die Piñata zu zerschlagen und die Süßigkeiten und die anderen Beigaben herausfallen, dürfen sich alle auf die Beute stürzen und so viel davon einsammeln, wie sie können. Kleiner Tipp am Rande: Um möglichen Streit zu verhindern, sollte man hier aber ein paar Kleinigkeiten in der Hinterhand haben, um sie den Kindern zu schenken, die nicht so viel erhaschen konnten. Weiterhin gilt es darauf zu achten, dass alle Kinder ausreichend Abstand vom Kind mit dem Stock haben, schließlich schlägt dieses mit verbunden Augen um sich.

 

Wie sieht eine Piñata aus

Bei Piñatas handelt es sich um bunte Figuren, Tiere oder Gegenstände, die innen hohl sind, damit man sie mit leckeren Dingen füllen kann. Waren es früher noch zerbrechlichen Tontöpfe (auf Italienisch heißt „pignatta“ übrigens zerbrechlicher Topf zum Wasserholen. Dieser hatte die Form einer Ananas, span. Piña) die mit Krepp umwickelt wurden, werden sie heute meist aus Pappmaché gemacht und mit buntem Krepp-Papier verziert.

Frühere Symbolik der Piñata

Ursprünglich stammt der Brauch aus China, gelangte mit Marco Polo nach Europa und verbreitete sich schließlich über Spanien bis Süd- und Mittelamerika. Die traditionelle Piñata hatte zudem eine religiöse Bedeutung. Sie war eine Kugel (re. im Bild) mit sieben Spitzen, die die sieben Todsünden symbolisieren sollten. Einmal zerschlagen, symbolisierte das Herausfallende (früher Obst und Süßigkeiten) den Segen für alle. Der Stock zum Schlagen stand zu jener Zeit für die Kraft Gottes, die verbundenen Augen für den Glauben an Gott.

Heute dient eine Piñata zumeist allein dem Spaß bei einer „Fiesta“. Und den haben die Kinder an jedem Geburtstag und vor allem bei uns in Deutschland, da die meisten unserer Gäste diesen Brauch zunächst nicht kennen.

Das Piñata-Lied

Die Musik zum Lied findet man auch bei youtube

    Gallinita ciega, ¿Qué se te ha perdido en el pajar?
    Una aguja y un dedal
    Da tres vueltas y la encontrarás