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Te quiero – Liebesgrüße nach Kolumbien

Ich lerne Spanisch.

Eigentlich hätte ich lieber meine Italienischkenntnisse weiter vertieft. Ich liebe Italien und kein Land auf diesem Globus hatte mich bisher mehr interessiert. Ich mag die Bewohner und ihre Lebensart und ich liebe den melodischen Klang der Sprache. Ich kenne mich dort mittlerweile auch geographisch und kulturell besser aus als in meinem eigenen Land.

Was ist passiert? Was hat mich dazu bewogen, meine langjährig vertraute Italienischgruppe in der VHS zu verlassen und mich auf eine neue Sprache mit mir nicht vertrauten Dozenten und Kursteilnehmern einzulassen?

Es begann im Jahr 2007, in dem ich meine zukünftige Schwiegertochter kennen lernen sollte.

In der Vorstellung war dieses Treffen für uns alle mit einer gewissen Unsicherheit und Skepsis behaftet. Wie wird sie wohl aussehen, worüber werden wir uns wohl unterhalten, was soll ich kochen…? Alles Fragen, die nicht außergewöhnlich sind, wenn der Sohn zum ersten Mal seine Freundin vorstellt. Kompliziert wird das Treffen jedoch dadurch, dass diese Freundin keine Deutsche ist, nein! Sie ist Kolumbianerin.                                                             
Sie ist die Tochter einer alleinerziehenden Mutter in Bogotá, die ihre 4 Töchter ohne jegliche finanzielle Unterstützung aufziehen musste und die ihnen auch das Rüstzeug dazu gab, dass sie nach Deutschland gingen um da zu studieren.

Es dauerte nicht lange, bis ich verstand, warum sich mein Sohn ausgerechnet in eine Kolumbianerin verliebt hatte.
Das lag gewiss nicht nur an ihrem Aussehen. Nein, es war vielmehr die positive Lebenseinstellung und die Art, mit Problemen fertig zu werden. Der Satz: „Mach dir keine Sorgen“, auch wenn das Problem aus deutscher Sicht unlösbar zu sein scheint, hat auch meine Sicht der Dinge verändert.

Alles noch kein Grund um Spanisch zu lernen.                                         
Denn als ich meine Schwiegertochter kennengelernt habe, sprach sie schon einwandfrei Deutsch. Auch ihre in Deutschland lebenden Schwestern verstanden mich, obwohl ich aus Bayern bin!

Es begann zur Hochzeit meines Sohnes. Es war eine deutsch-kolumbianische Hochzeit, die deutsch begann – mit vorbereiteten Reden und Darbietungen – und kolumbianisch endete – mit südamerikanischer Musik, mit Tanz und geselliger Unterhaltung, die meist von den kolumbianischen Gästen ausging –  begleitet von liebevoll angerichteten kolumbianischen Köstlichkeiten, zubereitet von einer Frau, die der Grund dafür ist, dass ich heute Spanisch lerne: meine „consuegra“, oder auch: die Schwiegermutter meines Sohnes.

Mit ihr verstand ich mich auf Anhieb ohne ein Wort zu wechseln.
Wir saßen da, Arm in Arm, wir tanzten gemeinsam und wir stellten fest, dass uns zwei eine große Sympathie verband. Ihre herzliche, natürliche Art faszinierte mich.                                                                                             
Ich wollte sie näher kennen lernen – und das funktioniert am besten über die gemeinsame Sprache.

Und deswegen lerne ich heute Spanisch. Ich spreche nicht viel, aber es reicht so weit, dass wir uns schon über einen längeren Zeitraum unterhalten können, auch ohne Dolmetscher. Wir freuen uns jedes Jahr auf ein Wiedersehen in Deutschland. Am liebsten würde sie mich jedes Mal für ein paar Wochen mitnehmen nach Kolumbien, um mir ihre zahlreichen Freundinnen vorzustellen und mir ihr Land zu zeigen. Ich würde so gerne mitkommen um mich zu überzeugen, dass das Land genauso natürlich und liebenswert ist wie die Bewohner, die ich kennen lernen durfte.
Gesundheitliche Gründe und eine extreme Flugangst hindern mich daran.
So würde ich mir wenigstens mehr Reiseberichte oder -dokumentationen wünschen, um das Land besser kennen zu lernen. Doch leider gibt es deren wenige. Obwohl andere südamerikanische Länder, wie Peru oder Brasilien laut  der Untersuchungen in der Weltkarte politischer Risiken an gleicher Stelle stehen, das Land ist noch zu wenig bereist.
Mein Fazit:  Liebenswerte Menschen kennen zu lernen, deren Kultur der unseren sehr ähnlich ist, dazu lohnt es sich allemal, nach Kolumbien zu reisen, ganz abgesehen von der Faszination ursprünglicher Natur.

Ich dagegen lerne weiter Spanisch, weil ich mich für dieses Land und deren Bewohner interessiere. Und ich schreibe weiter Emails an meine „consuegra“, in denen ein Satz nicht fehlen darf: Te quiero.