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Warum heißt Kolumbien eigentlich Kolumbien

Die Antwort darauf, woher Kolumbien seinen Namen hat, scheint auf der Hand zu liegen. Allerdings hat Kolumbus Kolumbien niemals betreten. Seit wann und warum also heißt das Land Kolumbien?

Nachdem die Conquistadoren vom Gold Südamerikas angelockt bereits zahlreiche Städte auf dem Gebiet des heutigen Kolumbiens nach dessen Entdeckung gegründet und den Einheimischen großen Schaden und Leid zugefügt hatten, wurde Bogotá bereits im Jahr 1717 von den Kolonialherren zum Sitz des neuen Vizekönigreiches von Neu-Granada erklärt. Erstmals hatte das Gebiet also überhaupt einen Namen nach europäischem Verständnis. Nach Kolumbus wurde es erst später benannt und zwar nach der Befreiung von den Kolonialherren durch den neugranadischen Unabhängigkeitskämpfer, Simon Bolívar. Er nannte das Gebiet zu Ehren des Seefahrers Kolumbus zunächst „La gran Colombia“. Damals, um 1819, gehörten Venezuela, Panama, Ecuador und Neu-Granada (das heutige Kolumbien) zu diesem Groß-Kolumbien. 1830, kurz nach Bolivars Tod, zerbrach die Republik Großkolumbien in die bis heute bestehenden, oben genannten Einzelstaaten und die Republik Neu-Granada, die ab 1861 wieder und diesmal endgültig Kolumbien genannt wurde.

Dass Simón Bolívar das Land, das er befreit hatte, ausgerechnet nach dem großen Entdecker Kolumbus benannte, der in gewisser Weise den Grundstein für die Kolonialherrschaft der Spanier gelegt hatte, bedarf einer kurzen Erklärung: Das damalige Aufkommen eines Nationalbewusstseins der Ureinwohner in den südamerikanischen Kolonien war der Auslöser der Unabhängigkeitsbewegung Südamerikas, die Simon Bolívar anführte. Die Gebiete wollten wieder eigenständig sein, nicht länger unter spanischer Herrschaft. Ein Aspekt, der zudem für wachsende Unruhe sorgte war, dass in Südamerika geborene Nachkommen der Spanier nicht die gleichen Rechte hatten, wie gebürtige Spanier. Ein Auflehnen gegen die Herrscher war vorprogrammiert.

Kolumbus bekommt Kolumbien – Vespucci den ganzen Kontinent

Nachdem nun die spanische Krone Christoph Kolumbus um seinen Lohn betrogen hatte, ihn nie so gewürdigt wie es ihm versprochen war und wie er es verdient gehabt hätte, wollte Simon Bolívar ihm den nötigen Respekt posthum zollen. Für den in Caracas (Venezuela) geborenen Bolívar behielten Kolumbus´ Verdienste ihren Wert und so nannte er das befreite Gebiet schließlich Großkolumbien. Auch, um sich namentlich von der ursprünglichen spanischen Namensgebung (Vizekönigreich Neu-Granada) loszusagen und die neue Unabhängigkeit auch dadurch zu betonen.

Amerigo Vespucci hingegen, der eigentliche Entdecker Kolumbiens, bekam „zur Entschädigung“ gleich den gesamten Kontinent gewidmet. Parallel zur damaligen Arbeit des Freiburger Kartographen Martin Waldseemüller an einer neuen Weltkarte (Cosmographiae Introductio), die 1507 erschien, fertigte der Dichter Matthias Ringmann die Begleitschrift an. Der Dichter hatte gerade Amerigo Vespuccis Reiseberichte und Briefe gelesen und hielt ihn für den rechtmäßigen Entdecker der Neuen Welt, also des heutigen Kontinents Amerika. Immerhin war er derjenige, der nicht dachte, es würde sich um Indien handeln, sondern erkannte, dass Amerika ein eigener Kontinent sein müsse.

Bisher bekannte Kontinente trugen weibliche Namen

Und der Dichter Ringmann hatte noch eine weitere schlüssige Erklärung für seine Namensgebung: „Ich sehe nicht ein, warum dieser Erdteil nicht nach dem Entdecker Amerigo, einem Mann von klugem Geist, ‚Amerige‘, also das Land des Americus oder ‚America‘ genannt werden soll: denn sowohl Europa, als auch Asia sind Namen, die sich von Frauen ableiten.“ 

Da wurde es also Zeit, einen Kontinent auch mal nach einem Mann zu benennen.